Wie umweltbelastend ist die holländische Blumenzwiebelindustrie?

 

Als Webshop Fluwel.de wissen wir wie kein anderer, der Kunde ist König. Wir versuchen, den Wünschen der Kunden gerecht zu werden und ihnen zu geben, was sie gerne haben möchten. In den vergangenen Jahren stellten uns einige unserer Kunden die Frage, die nicht alleine den Konsumenten betrifft, aber auch für uns, als Exporteur und Produzent sehr wichtig ist: Wie umweltbelastend ist der Blumenzwiebelsektor eigentlich? Sind die Blumenzwiebeln die ich bei Ihnen kaufe bio? Sind Sie als Blumenzwiebelunternehmen ein Schaden für die Umwelt?

 

Wichtige Fragen von unseren Kunden. Nicht nur für sie,  auch für uns. Wir als Blumenzwiebelgärtner wollen natürlich nichts lieber, als eine gesunde Umgebung für uns und unsere Blumenzwiebeln. Wir möchten Ihnen die bestmögliche Qualität liefern. Darum möchten wir Ihnen gerne mehr über die Umweltfreundlichkeit des Blumenzwiebelsektors berichten. 

 

Wir möchten Ihnen allerdings erst einmal den Unterschied einiger Begriffe erklären, bei denen oft Undeutlichkeit besteht: nachhaltig, bio und umweltfreundlich.

 

  • Nachhaltig bedeutet, dass etwas eine lange Lebensdauer hat. Bei einer nachhaltigen Entwicklung haben wir auch zukünftige Bedürfnisse von zukünftigen Generationen im Blick – hier dürfen wir nichts riskieren.
  • Bio bedeutet, dass etwas aus biologischen Materialen entstanden ist, bzw. aus einem lebendigen Wachstumsprozess entstanden ist. Organisch ist ein Synonym zu biologisch und der organische Landbau oder die Produktion beinhalten, das so wenig wie möglich, bis hin zu keinen chemischen oder umweltbelastenden Pflanzenschutzmitteln verwendet werden.
  • Umweltfreundlich bedeutet, dass der natürliche Lebensraum von Pflanzen und Tieren berücksichtigt wird. Wir versuchen diesen umweltfreundlichen Lebensraum so wenig wie möglich zu beeinträchtigen und ihn so wenig wie möglich zu verändern. 

 

Nachhaltigkeit bei Fluwel

 

Was hat das nun alles mit  Fluwel zu tun, mag man sich fragen. Da reagieren wir natürlich gerne und beginnen mit der Nachhaltigkeit von Fluwel. 

 

Bei Nachhaltigkeit denken wir nicht nur an alles, was auf dem Land passiert, sondern auch an das, was im Zwiebelschuppen geschieht. Dazu gehört unter anderem auch der Strom, den wir verwenden. Als erstes möchten wir erwähnen,  dass eine unserer ersten großen Investitionen, der Bau einer großen Windmühle, am Belkmerweg gewesen ist. Dieses Windkraftwerk erzeugt jährlich ungefähr 5 Millionen kWh. Im Jahre 2015 waren es genau 5.111.111 kWh. Der Verbrauch in unserem Betrieb lag in dem Jahr bei 428.459 kWh, wodurch wir also einen Überschuss von 4.682.652 kWh verzeichnen konnten. Diesen Überschuss haben wir an den Energiemarkt geliefert, wodurch wir an der Verwendung von grünem Strom in den Niederlanden beigetragen haben!

 

Dann kommen wir zu dem Begriff bio oder organisch. Wir können Ihnen versichern, dass alle Zwiebeln, die wir exportieren und zu Ihnen schicken, genau in dem Zustand sind, in dem wir sie auch bekommen haben. Wir behandeln sie nicht mit Schädlingsbekämpfungs- oder Pflanzenschutzmitteln. Fluwel selbst handelt hier völlig organisch. Wir beziehen unsere Zwiebeln aber natürlich auch von verschiedenen Gärtnerkollegen. Von diesen Zwiebeln können wir natürlich nicht 100%ig sagen, dass sie niemals mit Schädlingsbekämpfungsmitteln oder Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden. Deswegen sagen wir Ihnen, , wie sich der Blumenzwiebelsektor im allgemeinen mit dieser Materie beschäftigt, damit Sie im nächsten Herbst mit gutem Gewissen die Zwiebeln in Ihren Garten pflanzen können.

 

Umweltfreundlichkeit innerhalb des niederländischen Blumenzwiebelsektors

 

Der Blumenzwiebelsektor hat keinen besonders guten Ruf. Es soll wegen der großen Mengen, unsicherer und extrem giftiger Pflanzenschutzmittel und auch wegen der vielen Maschinen der Umwelt viel Schaden zufügen Über diese Auffassung gibt es viel zu sagen. Wir können die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln nicht von der Hand weisen, aber dafür gibt es sehr strenge Vorschriften. 

 

Der Pflanzenschutzmitteleinsatz für Blumenzwiebeln muss die gleichen Vorschriften einhalten für die Produktion von Lebensmitteln. Blumenzwiebeln sind, mit den Mitteln die dafür erlaubt sind, für den Menschen nicht giftig. Unsere Tulpenzwiebeln wären also essbar (im zweiten Weltkrieg ist das wirklich der Fall gewesen). Um dafür zu sorgen, dass die Vorschriften eingehalten werden, gibt es den BKD (Blumenzwiebel Inspektion) und andere Prüfinstitutionen der agrarischen Welt, so wie die PD (Dienst für Pflanzenkrankheiten). Sie kören die Bumenzwiebeln, die exportiert werden, und sind  eine Art Blumenzwiebelpolizei.

 

Wie kommt die Blumenzwiebelwelt dann zu ihrem Ruf? Wahrscheinlich, weil man auf vielen Gebieten eine Zeit lang nicht besonders gut mit unserer Umwelt umgegangen ist. Ende der Achtziger, Beginn der Neunziger Jahre hat sich die Aufmerksamkeit verändert. Die Menschen wurden sich bewusst, dass es auch anders geht. Am Anfang der Neunziger Jahre wurde durch die Regierung, dem Blumenzwiebelsektor und der Universität Leiden Maßnahmen getroffen. Es wurde ein Stufenplan erstellt, um den Blumenzwiebelsektor umweltfreundlicher zu machen und die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln so weit wie möglich zu vermindern. Die Entwicklung der Blumenzwiebelindustrie zwischen den Jahren 1996 und 2000 wurde in einem Bericht zusammengefasst, der 97 Seiten umfasst. Wir fassen  nur einige Punkte zusammen.

 

Vereinbarungen, die in dieser Zeit getroffen wurden, sind in dem Bündnis „Durchführung und Vereinbarung Umweltpolitik Blumenzwiebelsektor“ zu finden. Die Vereinbarungen betrafen vor allem die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Es wurden eine Reihe von Zielen formuliert, die in der Realität bei weitem übertroffen wurden. D.h., es wurde mehr erreicht als ursprünglich im Plan stand. Seit den Neunziger Jahren ist die Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln im Blumenzwiebelsektor auf ein Niveau gesunken, das niemand  erwartet hatte.

Es gibt noch mehr Fortschritte, nämlich die Veredlung. Im Laufe der Jahre sind durch zielgerichtete Veredlung immer gesündere Blumenzwiebeln und Zwiebelblumen entstanden, die weniger  anfällig für Krankheiten sind, wodurch auch weniger Pflanzenschutzmittel benötigt werden. 

 

Ein anderes gutes Beispiel von umweltfreundlichem Pflanzenschutz ist die Inundation oder auch das unter Wasser setzen des Landes. Das Wasser ertränkt  Nematoden und andere Bodenschädlinge, so dass sie keinen Schaden an den Zwiebeln anrichten können. Dies ist laut der Spezialisten der WageningenUR, eine der innovativsten und umweltfreundlichsten Veränderungen in der Branche. In Nord-Holland haben wir Wasser genug, und die unter Wasser stehenden Felder sehen oft auch noch sehr schön und pittoresk aus. 

 

Für einige Zwiebelgärtner gehört die Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln schon zur Vergangenheit. Wenn Sie noch tiefergehende Informationen hierüber haben möchten, schauen Sie bitte auf die Website von Huiberts. Dies ist ein Betrieb, der die Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln absolut ausschließt. Hier werden die Blumenzwiebeln nur in Zusammenarbeit mit der Natur, auf völlig biologische Weise kultiviert. Diese Art der Blumenzwiebelkultur wird zum Glück immer populärer und gewinnt auch immer mehr Aufmerksamkeit!

 

Renommee

 

Und warum gibt es dann immer noch Zweifel? 

Die Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln wurde durch Institutionen, wie die HZL (früher Houd Zijpe Leefbaar, heute Het Zijper Landschap zu deutsch: Haltet Zijpe Lebbar, heute Zijper Landschaft) in einer Fernsehsendung thematisiert. Hier wurden Befürchtungen der Blumenzwiebelkultur angesprochen und die die Inspektion der CTGB angezweifelt. Das CTGB, ist eine Organisation, die die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden regelt,  eine staatliche Einrichtung, die die Schädlingsbekämpfungsmittel genehmigt und deren Verwendung streng kontrolliert. Wir von Fluwel sind jedoch von den Kenntnissen der Organisation überzeugt. Bei den Pflanzenschutzmitteln, die im Blumenzwiebelsektor eingesetzt werden dürfen, gelten die strengen Normen der Produktion für Lebensmittel. 

 

Es gab auch Zweifel über die Risiken von Schädlingsbekämpfungsmitteln für Gärtner und Anwohner. Durch das CTGB wurde zu diesen Befürchtungen keine speziellen Untersuchungen durchgeführt. Sie erfolgen allerdings später auf Antrag des HZL, durch die Universität Utrecht. Hier wurde erforscht,  ob Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln im Hausstaub der gärtnerischen Betriebe und bei den Anwohnern, gefunden werden konnten. Bei sechs Stoffen, die in Schädlingsbekämpfungsmitteln vorkommen, konnte festgestellt werden, dass sie im Hausstaub der Züchter auch vorkommen. Drei der getesteten Stoffe konnten auch im Hausstaub der Anwohner gefunden werden. Diese Forschung  sagt alleine etwas über die Nachweisbarkeit der Stoffe aus. Die Risiken bleiben hiermit unbekannt, auch wenn die Menge der nachgewiesenen Stoffe so gering ist, dass ein Gesundheitsrisiko fast ausgeschlossen werden kann. Diese Untersuchung wurde im Jahre 2002 durchgeführt. Das ist noch nicht so lange her, aber die Entwicklung geht sehr schnell. 

 

Eine andere Stiftung, die mehr Aufmerksamkeit für die Umweltfreundlichkeit des Blumenzwiebelsektors fordert,  ist die Stiftung Bollenboos. Diese Stiftung befindet sich jedoch in der Provinz Drenthe und richtet sich schwerpunktmäßig auf die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln bei Lilien. Bei Lilien ist die Verwendung dieser Stoffe bedeutend höher. Lilien sind viel schwierigere Pflanzen, die  viel mehr Pflanzenschutz benötigen. . Fluwel kultiviert selber keine Lilien, deshalb haben wir auch nichts mit diesen Pflanzenschutzmaßnahmen, die man dafür bräuchte,  zu tun.

 

Warum benutzen wir Pflanzenschutzmittel?

 

Bleibt immer noch die Frage, warum diese Mittel überhaupt nötig sind? Der Grund hierfür ist: die Blumenzwiebeln werden sehr streng gekört. Sie dürfen absolut keine Krankheiten haben. Im Großen und Ganzen ist es für einen durchschnittlichen Gärtner beinahe unmöglich, ganz ohne den Einsatz von chemischen Mitteln auszukommen. Einige Kollegen meinen deswegen auch, dass es einfach dumm war, dass der BKR (Blumenzwiebel Kördienst) die ausländische Verordnung für  den Zwiebelexport überhaupt jemals akzeptiert hat. Die Gärtner wissen selber, das Verunreinigungen, die sich auf einer Zwiebel befinden und exportiert werden, völlig ungefährlich sind. Aber diese Gesetze bestehen nun einmal und müssen also auch befolgt werden.

 

Es spielt auch noch eine Rolle, dass der Blumenzwiebelsektor keine eigene Forschung zu Pflanzenschutzmitteln durchgeführt hat. Gäbe es diese, dann könnten vielleicht noch viel weniger und effizientere Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt werden. Der Grund dafür: der Blumenzwiebelexport macht nur einen kleinen Teil vom gesamten Export aus. Es ist einfach kein Geld für weitere Forschung, die den Blumenzwiebelhandel betreffen, vorhanden. Darum werden noch heute Mittel verwendet, die bereits bei anderen Pflanzen, z.B. Obstbäumen, gut anschlagen. Man geht davon aus, dass diese Mittel auch bei Blumenzwiebeln ihre Wirkung haben. Es darf vermutet werden, dass hier noch optimiert werden könnte, wenn man mit Zeit und Geld der Frage nachgehen könnte. Es ist also nicht allein für Sie und die Umwelt frustrierend, sondern auch für uns als Blumenzwiebelproduzenten selber. 

 

Der Energieverbrauch

 

Neben der Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln, haben wir auch noch den Energieverbrauch. Dieses Thema hat die WageningenUR untersucht, mit folgenden Schlussfolgerungen: 

 

CO2

 

In der Abbildung links sehen Sie den CO2 Ausstoß der Blumenzwiebelbetriebe. Seit 2008 ist die Tendenz sinkend, die Betriebe sehen auch keinen Anlass, warum sich dieser Trend umkehren soll . Auf diesem Gebiet ist die Technologie enorm progressiv.

Den unten stehenden Abbildungen können Sie entnehmen, dass der Energieverbrauch in Blumenzwiebelbetrieben stark sinkt. Es ist auch eine Steigerung in der Verwendung regenerativer Energie zu verzeichnen. All dies sind positive Veränderungen, mit denen die  Betriebe auf gutem Wege sind. 

 

Energy

 

Was denken wir?

 

Wir bei Fluwel möchten die Schlussfolgerung ziehen, dass der Blumenzwiebelsektor der Umwelt keinen Schaden zufügt und dass wir ständig bemüht sind, noch besser zu werden. Der Energieverbrauch ist gesunken, die Menge der eingesetzten Schädlingsbekämpfungsmittel ist geringer, als wir dachten. Wir setzen sogar weniger ein,  als gesetzlich erlaubt wäre. Wir sind auch sehr froh sagen zu können, dass uns und unseren Familien selbst und natürlich unseren umliegenden Anwohnern, niemals ein Schaden zugefügt wurde. Es geht uns wirklich nicht allein um unseren Exporterfolg, sondern  sehr um die möglichen Auswirkungen unseres Tun auf unser Lebensumfeld und die Umwelt. Blumenzwiebelgärtner sind Naturmenschen, sie genießen in der Saison Tag ein Tag aus ihre Blumen. Daher möchten wir auch der Umwelt auf keinen Fall schaden. Wir als Blumenzwiebelunternehmer möchten als erste in der Blumenzwiebelindustrie regenerativ und umweltbewusst sein. Wir werden immer daran arbeiten, damit wir noch Jahre lang unter gesunden Umständen weiter machen zu können.

 

06 July 2016 Nachrichten