Hier Shakespeare

Holy Canoli, was für ein Geruch! Wie schlimm es war, werde ich Ihnen gleich erklären. Rund um die Fluwel-Scheune liegen 11 Hektar Land, die in diesem Frühjahr rappelvoll mit Shakespeare-Steckzwiebeln eingesät waren. 26.000.000 Zwiebeln pro Hektar.
Ja, ich habe Sven kurz gebeten, mir – und Ihnen als Leser des sonntäglichen Nachrichtenblogs – die Geschichte der Shakespear-zwiebeln zu erzählen. Voller Stolz erzählte mir Sven, dass sie gut 50 Hektar Zwiebeln anbauen und dass sie den Dreh mittlerweile ganz gut herausbekommen haben. Das Säen lernt man am schnellsten, denn das muss sehr präzise sein. Nicht zu dicht, nicht zu dünn, nicht zu nass, nicht zu trocken, nicht zu tief und auch nicht zu „flook“. „Flook“ ist, glaube ich, westfriesisch für „flach“. Ich bin mir da eigentlich gar nicht sicher, denn auch Blumenzwiebeln können zu „flook“ sitzen. Macht aber auch nichts, denn wenn man beim Säen etwas falsch macht, wird nichts daraus und bringt es nichts, also lernt man sehr schnell. Was man auch gut beherrschen muss, ist die Sortenauswahl, fuhr Sven fort. Hier ist die „Shakespeare“ eine gute Zwiebel, aber wenn man hier zum Beispiel die „Stuttgarter“ pflanzt, fällt die Ernte enttäuschend aus. Die gedeiht in Drenthe wiederum sehr gut; die „Stuttgarter“ scheint doch lieber etwas näher an der deutschen Grenze zu stehen. Nur zur Klarstellung: Wir sprechen hier von Steckzwiebeln, Sie wissen schon, diese kleinen Zwiebeln, die in den Gartencentern in Tütchen hängen, um dann in Ihrem Gemüsegarten zu leckeren, saftigen großen Zwiebeln heranzuwachsen. Genau diese Zwiebeln werden auch in Holland in großen Mengen angebaut, um anschließend anderswo auf der Welt zu Speisezwiebeln herangezüchtet zu werden. Der erfahrene Gemüsegärtner kennt sicherlich die Sorten „Sturon“ und „Stuttgarter“, aber es gibt noch Dutzende anderer Zwiebelsorten. Ja, wenn man Sven nach Zwiebeln fragt, redet er wie ein Wasserfall – man merkt es sofort: Sven ist ein Zwiebelzüchter der Spitzenklasse. Ein Zwiebelprofessor.

Aber wir müssen zurück zur Scheune, ihr wisst schon, dieses kleine Gebäude, das auf drei Seiten von 11 Hektar Zwiebeln umgeben war. Mal kurz mit dem Dream-Team nach draußen, um zu schauen, woher dieser Geruch kommt. Natürlich muss man auch eine Zwiebel probieren – nichts gegen die „Shakespeare“, da fließen einem gar nicht die Tränen.

Von Sven wissen wir inzwischen, dass auf einem Hektar 26 Millionen wachsen; bei 11 Hektar sind das 286.000.000 Steckzwiebeln rund um die Fluwel-Scheune. Und ausgerechnet während der Ernte weht der Wind so, dass der gesamte Duft dieser knapp dreihundert Millionen Steckzwiebeln durch unsere Scheune und – noch schlimmer – durch unsere Nasenlöcher wirbelt. Herrlich. Wir dachten, das würde ein paar Tage dauern, aber nein, nach gut einem Tag war alles vom Feld geholt.

Eine genau gleiche Geschichte, aber doch ganz anders, ist dieses Feld mit Freesien am Westerduinweg in Richtung Callantsoog. Bei dem warmen Wetter der letzten Wochen war das ein wahrer Genuss. Was für ein phänomenales Naturschauspiel: Dutzende Millionen Freesienblümchen gaben Tag für Tag ihr Bestes, um Jung und Alt mit ihren Düften und Farben zu erfreuen. Man konnte nicht daran vorbeifahren, ohne abgestiegene Radfahrer oder angehaltene Autos zu sehen, deren Fahrer wie in siebten Himmel versetzt am Feldrand standen und staunend die Blume bewunderten.
Inzwischen herrscht in der Fluwel-Scheune reges Treiben. Mit aller Kraft werden Ihre Bestellungen und die Bestellungen unserer amerikanischen Kunden verpackt. Die Verschlusszeit der Kamera muss auf „schnell“ eingestellt sein, denn alles geht rasant und ist in Bewegung.

Die Schaufeln der Zählmaschinen rattern munter vor sich hin, und ein Sack nach dem anderen wird mit schönen Zwiebelblumen für Ihren Garten befüllt.

Die schönste Aufgabe haben Pracht und Guus: Sie bereiten die Narzissen für das „Fluwel Special Narcissus“ und „Qdaffs“ vor. Keine Maschinen, kein Lärm – nichts als schöne, gesunde, dicke Narzissen.

Ein Korb mit Leckereien steht griffbereit, und während des Sortierens werden spannende Geschichten über die Polderse Kirmes und all die Streiche erzählt, die dort gespielt wurden.


Und, es ist wieder Freitag – freitags mittags gehen wir immer zu Linda im „Land van Fluwel“, um einen Hamburger oder einen Pfannkuchen zu essen. Wirklich lecker – falls Sie mal in der Gegend sind … sehr zu empfehlen!
Mit freundlichen Grüßen
Carlos van der Veek



