Groundswell Du liest Das Dream-Team 7 Minuten

Het Dream Team

Liebe Leserinnen und Leser, 
 
Und dann sind plötzlich wieder alle Blumenzwiebeln vom Feld, man versteht das doch gar nicht. Gerade macht man sich Gedanken über all das, was noch zu tun ist, da steht plötzlich schon wieder das Dream-Team vor der Nase. Tja, sobald die loslegen, landen die Narzissen im Handumdrehen in den Kisten und stehen auf dem Wagen. Ach ja, die Miniaturnarzissen müssen noch in Gitterkisten gerodet werden, Karel, hast du… ja, ich habe schon bei Sneekes angerufen, Montag um 10 Uhr kommen sie.
Naricssen
Pünktlich um 10 Uhr biegt ein brandneuer Trecker auf das Feld ein, mit einem stolzen Pilot am Steuer, der auf den Namen Justin hörte. Ja, wenn man bei diesen Lohnunternehmern gut ankommen will, muss man immer ein kleines Kompliment über das Eisen machen, mit dem sie vorfahren. Ooooh, das ist aber ein schöner Trecker, Justin! New Holland? (Noch ein Tipp, wenn der Lohnunternehmer vorfährt: Sag nicht „Traktor“, denn das ist ein Wort der städtischen „Bürgersteigkacker“, Bauern sagen „Trecker“.) Ja, toll was? Sneekes hat mir einen neuen Trecker gekauft, erst drei Wochen alt, 176 Stunden stehen auf dem Zähler. Mein vorheriger war ein John Deere, 21.000 Stunden gedreht, an dem alten Ding hat alles gerattert. Ich habe mal schnell nachgerechnet und gesagt: „Dann hattest du in den letzten drei Wochen wohl kaum Freizeit, Justin.“ Stimmt, jeden Abend und jeden Samstag war ich im Einsatz – bei diesem heißen Wetter mussten alle Tulpen fast gleichzeitig raus.
Narcissen rapen
Nachdem wir zwei Sorten geerntet hatten, konnte ich sehen, dass Justin ein erfahrener Flugkapitän auf seiner riesigen Maschine war – die Miniatur-Narzissen landeten blitzsauber in den Kisten. Schon bald wurde mir ein Blick zugeworfen, der sagte: „Was machst du denn noch hier, wir schaffen das schon“, also habe ich mich einfach davongemacht, um im Schuppen alles vorzubereiten. Schön ist das, oder? Noch vor ein paar Jahren habe ich ihnen den Namen „Dream- Team“ gegeben, weil sie den ganzen Tag nur herumgeträumt und rumgealbert haben – ich musste ständig bei ihnen bleiben –, und plötzlich sehen sie das Licht, arbeiten wie die Pferde und ich habe die Freiheit, von der ich all die Jahre geträumt habe, als sie noch träumten und ich fast rund um die Uhr wach bleiben musste.
Narcis zaad
Noch so eine Kleinigkeit, mit der mich das Dream-Team überrascht hat: Die Narzissensamen sind auch schon gerodet. Echt so eine Aufgabe, die bis zum Ende der Saison liegen bleibt, so in der Art von: „Ach ja, das muss auch noch schnell gemacht werden.“
Narcis zaad
Fummelei, bei der man scharfe Augen braucht. Die Samen lagen zwei Jahre, manche ein Jahr, in den Behältern und müssen nun aus dem Sand herausgepickt werden. Musik dazu, schöne Geschichten über Piercings und Tattoos (diese Mädels wissen Sie, ich kann da nicht mitreden) und los geht’s.
Larven
Da taucht alles Mögliche auf: Käfer, Motten, Würmer, Ameisen, Tausendfüßler und Larven – dicke, fette Larven. Was für ein Spaß für die Mädchen.
Narcis zaad
Das ist die Ernte: Hunderte, wahrscheinlich sogar Tausende von Samen, aus denen in den nächsten drei bis vier Jahren Stück für Stück eine Narzisse wachsen wird. Und jede Narzisse ist anders – alle werden sie in einigen Jahren eine andere Blüte zeigen, keine gleicht der anderen.
Narcis zaad
Hier auf dem Foto sind die schwarzen Narzissensamen zu sehen; das sind jetzt leere Schalen, denn daraus ist bereits eine kleine Zwiebel gewachsen. Die kleinen weißen Zwiebeln sind ein Jahr alt, die größeren sind bereits zwei Jahre gewachsen. Während ich das so schreibe, muss ich an die hitzige Diskussion denken, die ich schon mehrmals mit meinem nordirischen Freund und Narzissenzüchter Brian Duncan geführt habe.

Brian ist unter Narzissenliebhabern als Meisterzüchter bekannt und ein absoluter Perfektionist, der jede Narzisse, die er züchtet, genauestens dokumentiert. Von all seinen Sämlingen kann er genau sagen, von welcher Sorte er den Samen gewonnen hat und mit welcher Narzisse er die Blüten bestäubt hat, aus denen der Samen geerntet wurde. Vater und Mutter sind bekannt, und wenn er weiter in seinen zahlreichen Notizbüchern nachschlägt, kann er auch fehlerfrei sagen, wer der Großvater und die Großmutter all der Narzissen sind, die er in die Welt setzt. So wie ich es mache, ist laut Brian Züchtung mit einer stumpfen Axt; ich gehe wie ein Holzfäller vor, und natürlich kommt ab und zu etwas Schönes dabei heraus, aber es ist laut Brian doch schrecklich, nicht zu wissen, wer die Eltern einer so schönen neuen Narzisse sind. Darüber können wir heftige Diskussionen führen. All diese Registrierungen kosten mich viel zu viel Zeit. Und dann zu wissen, dass man so einen Sämling von diesen und jenen Eltern auch noch 5 oder 6 Jahre lang getrennt halten muss, bevor man die ersten Blüten sieht – keine Rede davon, das mache ich wirklich nicht. Ja, aber Carlos, du musst doch wissen, was das Ergebnis einer bestimmten Kreuzung ist, daraus kannst du lernen. Und so geht es immer weiter, manchmal bis weit nach Mitternacht, wenn wir bei Brian bei einem Gläschen Whisky heftig miteinander im Clinch liegen. Betty ist sogar einmal gegen 2 Uhr morgens heruntergekommen und hat gefragt, ob es nicht etwas ruhiger gehen könnte, sie könne nicht schlafen. Da kam mir plötzlich die Lösung in den Sinn, die dem ganzen Wortwechsel ein Ende bereitete. Aber Brian, als du vor 70 Jahren Betty kennengelernt hast (ja, beide sind bereits weit über neunzig), hast du dich doch auch nicht gefragt, wer ihre Eltern waren und wie sie aussahen. Brian konnte darüber zwar lachen, wenn auch ein bisschen wie ein Bauer mit Zahnschmerzen.

Letzte Woche habe ich die Grenze von 1000 Wörtern leicht überschritten, und ich sehe, dass ich jetzt schon wieder ziemlich nah dran bin. Ich werde es den Übersetzerinnen lieber nicht zu schwer machen, eigentlich möchte ich auch wieder mal nach draußen. Ich bin doch ein bisschen neugierig, wie viele der gut 1000 Narzissenarten, die wir züchten, letztendlich von Brian stammen. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, sind das über 150 registrierte Arten. Das ist ziemlich viel; derzeit stammen „nur“ knapp 100 aus unserer eigenen Züchtung.

Narcissus Magician's Choice


Gewonnen von Brian Duncan.

Samenelternteil (Mutter): Soprano

Pollenelternteil (Vater): Magician

Großmutter mütterlicherseits: High Society

Großvater mütterlicherseits: Valinor

Urgroßmutter mütterlicherseits: May Queen

Das ist alles sehr interessant, aber das Einzige, worauf ich achte, ist, ob „Magician’s Choice“ eine gute Narzisse ist – und das ist sie. Sie können „Magician’s Choice“ bedenkenlos in Ihrem Garten pflanzen: zuverlässig und auffallend schön.

Narcis rooien

Zeit, wieder Schluss zu machen – bis nächste Woche.

Mit freundlichen Grüßen

Carlos van der Veek

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