Mein aus dem Ruder gelaufenes Hobby

Während ich das alles schreibe, frage ich mich, ob mir das alles eigentlich wirklich so viel Spaß macht. Versteht mich nicht falsch, ich finde die Narzisse eine wunderschöne Blume. Sogar die schönste Blume, die es gibt, aber ist es diese schöne Blume, die mich dazu antreibt, diese lächerliche Sammlung anzulegen, oder sind es vielleicht all diese wunderbaren Menschen, die genauso verrückt nach der Narzisse sind wie ich, und sind sie es, die mir die Energie geben, all diese Sorten Jahr für Jahr wieder zu pflanzen und liebevoll zu pflegen?
Narzisse bulbocodium Ballroom Belle
Verletzung durch den Freischneider – wir springen mal kurz vom Hundertsten ins Tausendste. Zwei Tage lang habe ich mich vor Schmerzen gekrümmt, weil ich einen heftigen Muskelkrampf im linken Oberschenkel hatte.
Ich hatte mich beim Freischneiden des Waldes etwas zu sehr ins Zeug gelegt (grrr, die Autokorrektur versucht mich schon zum dritten Mal davon zu überzeugen, dass es an den Waldameisen liegt) – nein, beim Freischneiden des Waldes. So eine schöne Arbeit, das Freischneiden des Waldes, da sieht dann alles wieder so schön aus. Bevor ich mich versah, war es halb elf am Abend, ich war völlig fertig und hatte natürlich, wie viele von uns bei diesem schönen Wetter, viel zu wenig getrunken. Am nächsten Tag konnte ich mich nicht mehr bewegen, der gesamte Oberschenkel war verspannt und steif. Schnell habe ich Tinda über WhatsApp eine Nachricht geschrieben – ihr wisst schon, die mit der schönen Narzisse „Hello Sunshine“ –, ob ich mich kurz bei ihr auf die „Schmerzbank“ legen dürfte. „Heute Abend um Viertel nach acht habe ich Zeit für dich …“ Und da lag ich dann, vor Schmerzen gekrümmt auf dem Massagetisch in WarmeTuut bei Tinda. Ja, so heißt dieses kleine Dorf hinter dem Deich. Die Westfriesen nennen Tuitjehorn „TuitjeTuut“ und Warmenhuizen „WarmeTuut“. Es seien die Quadrizeps, erklärte sie mir ganz genau, und nachdem sie sich eine Weile richtig Mühe gegeben hatte, sagte sie: „Carlos, es ist noch viel zu schmerzhaft, es ist noch viel zu verspannt, das muss sich erst alles etwas beruhigen, bevor ich es richtig gut massieren kann.“ Ob ich Lust hätte, mitzukommen, um ein Gläschen Wein und einen „Toosie“ (Toast) zu genießen – ich habe mir noch eine ganz schöne Flasche Weißwein von einer Weinreise für einen schönen Abend wie diesen aufgehoben. Und ehe ich mich versah, saß ich in einem gemütlichen Gärtchen, wartete auf mein Gläschen Wein und betrachtete eine armselige Gurkenpflanze in der prallen Sonne in einem P12-Töpfchen, von der die Besitzerin die stille Hoffnung hegte, dass sie einmal schöne Gurken tragen würde.

Mädel, Mädel, das geht doch nicht. Eine Pflanze braucht doch ein bisschen gute Erde, um gut wachsen zu können, und eine Gurke erst recht. Dieser kleine Topf mit dem bisschen Blumenerde reicht niemals aus, um schöne Gurken zu bekommen. Drei Schritte weiter stand ein Zementeimer von sicher 25 Litern, voll mit alter Erde, in der noch die Würmer waren, aber ohne Pflanzen. Steck die Gurke doch einfach da rein, und du wirst sehen, wie groß eine Gurkenpflanze werden kann. Es überrascht mich wirklich, auch bei den Reaktionen, die wir auf unsere Blumenzwiebeln bekommen, wie wenig sich die Leute manchmal bewusst sind, dass die Erde das Allerwichtigste ist für ein gutes Ergebnis. Selbst eine Blumenzwiebel oder Pflanze von minderer Qualität kann sich in einem guten, nährstoffreichen Boden sehr gut erholen und gedeihen. Eine Pflanze oder Blumenzwiebel von guter Qualität wird in schlechtem, nährstoffarmem Boden, in dem sie keine oder zu wenig Nährstoffe findet, niemals gut gedeihen. Wurzeln brauchen reichlich Nährstoffe, um die Pflanze in Topform zu halten – auf nüchternen Magen kann man schließlich keinen Marathon laufen. Ich übrigens auch nicht auf vollen Magen, und jetzt schon gar nicht. Ganz gegen meine Prinzipien habe ich noch ein Gläschen in der Flasche für Tinda für den nächsten Tag stehen lassen. Mit so einem schmerzenden Bein ist es auch nicht gerade angenehm, und ich bin mit Unterstützung wieder zum Auto gehumpelt. Ich hoffe, dass uns nicht zu viele Leute gesehen haben, denn so, wie ich zu meinem Auto gebracht wurde, ist das nicht gerade gute Werbung für eine Massagepraxis
Narzissen – wir sprachen gerade über mein aus dem Ruder gelaufenes Hobby. Aus diesem Hobby heraus ist auf Drängen englischer Liebhaber und auf Wunsch vieler lieber Fluwel-Webshop-Kunden die „Fluwel Special Narcissus“-Kollektion entstanden. Unter „Fluwel Special Narcissus“ biete ich viele dieser kleinen Partien in sehr begrenzter Stückzahl an. Stück für Stück besondere Narzissen, die nur selten angeboten werden. Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass sie diese Woche noch erhältlich sind. Nächsten Sonntag, den 5. Juli, ist der letzte Tag, an dem Sie sie bestellen können.

Vor gut einer Woche war noch die „Sauregurkenzeit“, jetzt läuft plötzlich alles auf Hochtouren.
Bis nächste Woche

Carlos van der Veek





